Unser Weg zum Wunschkind // #3 Geplatzte Träume

Nach meiner zweiten OP verstrichen die Monate und nichts passierte. Ich hatte keine Schmerzen, ich hatte einen regelmäßigen 28 Tage-Zyklus und mein Darm verheilte auch gut. ABER schwanger wurde ich auch nicht. 😦 Etliche Ovulations- und Schwangerschaftstest landeten im Müll und meine anfängliche Leichtigkeit verwandelte sich immer mehr in Ungeduld. Den Gedanken, wann denn der richtige Zeitpunkt für ein Baby sein könnte, gab es nicht mehr. Ich wollte es sofort. Erst wenn man weiß, dass es nicht geht, will man nichts anderes mehr. Von allen Seiten bekam ich zu hören, dass ich mich entspannen muss und dass es vor allem nicht klappen wird, wenn ich mich so darauf versteife. Aber liebe Leute, das ist sehr leicht daher gesagt. Wobei ich eigentlich auch der Meinung bin, dass ich recht entspannt war. Ich hatte keine Schmerzen mehr, ich hatte viele Shootings, reiste zum Fotografieren nach Nizza, machte Urlaub bei meiner Freundin in Spanien und ansonsten ging es mir auch gut. 🙂

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Den Anruf in der Kinderwunschklinik bekam ich trotzdem nicht ganz übers Herz. Irgendwie wollte ich es nicht ganz wahrhaben und dachte zuerst darüber nach, noch einmal einen Heilpraktiker aufzusuchen. Aber ganz ehrlich, mein Glaube an die alternative Medizin hatte ziemlich nachgelassen und auf Drängen meiner Freundin, machte ich im Dezember 2014 in der KiWu-Sprechstunde der Frauenklinik in Heidelberg, bei Prof. Dr. med. Strowitzki einen Termin aus.

Seine Meinung über meine Situation war eindeutig. Nicht lang fackeln. Seiner Einschätzung nach würde es nicht lange dauern, bis die Endometriose wieder zurück kommen würde und aufgrund der ganzen Vernarbungen in meinem Bauch hielt er es für schier unmöglich, schwanger zu werden. Super! Dennoch wollten wir zuerst einen Zyklus genau beobachten. Im neuen Jahr fuhr ich für regelmäßige Blut – und Ultraschalluntersuchungen in die Klinik, um den genauen Zeitpunkt meines Eisprungs bestimmen zu können, bzw. ob ich überhaupt einen habe. Die Ergebnisse waren ein Traum und auch meine vorhandenen Eizellen standen zur Befruchtung parat. 😉 Und es war tatsächlich der gleiche Tag, den mir auch meine ZyklusApp ausgerechnet hat. Aber es klappte wieder nicht. Aber jetzt mal ganz unter uns, wie soll das auch klappen, wenn man Mittags einen Anruf bekommt, dass man sich am Abend aktiv darum kümmern soll, dass Sperma und Eizelle zusammen finden? Also mit Romantik hat das definitiv nichts zu tun. 😉

Also hatte ich direkt wieder meinen nächsten Termin bei Prof. Strowitzki. Er ordnete direkt eine IVF an. Eine in-vitro-fertilisation! Hierfür werden der Frau die Eizellen entnommen und sozusagen im Glas befruchtet. Die Spermien dürfen hierbei noch ihrer ursprünglichen Arbeit nachgehen und den Wettkampf um die Eizelle auf sich nehmen. Der Beste gewinnt. 😉

Im April sollte es so weit sein. Mensch war ich aufgeregt. Eine künstliche Befruchtung. Nie hätte ich gedacht, einmal so eine Erfahrung machen zu müssen oder zu dürfen!?!? Die Frage, ob wir das wollten oder nicht, kam gar nicht erst auf. Es war für uns der einzige Weg, ein Baby zu bekommen und dass wir das wollten, wussten wir. 🙂 Für mich hat eine künstliche Befruchtung auch nichts damit zu tun, dass ich der Natur ins Handwerk pfusche. Es sind meine Eizellen, die einzig und alleine, außerhalb meines Körpers befruchtet werden. Es ist nur ein kleiner Umweg. 🙂

Das Einzige, das jetzt noch zu klären war, war die Finanzierung. Wie das bei der gesetzlichen Krankenkasse abläuft, wusste ich ungefähr. Je nach Krankenkasse werden bis zu 3 Versuche zum Teil finanziert. Bei einer IVF kommt man auf Kosten zwischen 2800EUR und 3500EUR. Immer noch ein Batzen Geld, wenn man vielleicht 50% oder 25% davon selbst tragen muss. Aber ich war Privatversichert und laut dem Professor sollte die Kostenübernahme, aufgrund meiner Krankheitsgeschichte, kein Problem darstellen. Puh, ich war sehr erleichtert. Es war nur noch ein Anruf bei meiner Krankenkasse notwendig, um die Kostenübernahme bestätigen zu lassen. 😀

Doch meistens kommt es anders als man denkt. Ein netter Herr der Hanse Merkur erklärte mir mit bemitleidender Stimme, dass ich bei Vertragsabschluss einen günstigen Tarif gewählt habe, bei dem künstliche Befruchtungen komplett ausgeschlossen sind……

Für mich brach eine Welt zusammen. Der Traum vom Baby war ausgeträumt. Wir hatten doch erst ein Haus gekauft und renoviert. Wir hatten kein Geld übrig, um eine künstliche Befruchtung zu finanzieren. Vor allem nicht für mehrere Versuche. 😦 Beim wievielten Mal würde es klappen? Beim ersten Mal? Dann wären es nur 3000EUR. Oder beim fünften Mal? Dann wären es 15000EUR. 😦 Wie oft würde man es versuchen? Fragen, die ich nicht beantworten konnte.

Doch es gab Menschen, die mir Mut machten. Eine liebe Freundin bot mir sogar an, mir das Geld zu leihen, wenn wir mehrere Versuche bräuchten. Zinslos, ohne Rückzhalungsdatum! ❤ Wir durften auf keinen Fall aufgeben. Und das taten wir auch nicht. Ohne wirklich zu wissen, wie wir am Ende die Rechnungen bezahlen würden, nahmen wir unseren vereinbarten Termin im April wahr. 🙂

Der Professor empfahl uns, die nötigen Medikamente in einer Apotheke in Frankreich zu kaufen. Dort sind Medikamente günstiger und wir konnten ca. 500EUR sparen. Ich benötigte Hormonspritzen (Menogon), die ich mir zwei Wochen lang, jeden Tag in den Bauch spritzen musste. Oh Gott, das konnte ich nicht und mein Schatz auch nicht. 😛 Deswegen musste jeden Tag ein lieber Freund zu Besuch kommen, der es scheinbar lustig fand, mich zu piksen. 😉 Durch diese Hormone werden die Eizellen produziert. Man hofft auf viele Eizellen, aber es waren nur 5 Stück, die die richtige Größe erreichten. 1,8cm sollten sie haben. Um meine eigene Hormonproduktion zu unterdrücken musste ich jeden Tag ein Nasenspray (Synarela) nehmen. Hört sich sicher seltsam an. 😉 Nach ca. 2 Wochen ist die Hormonbehandlung beendet und man muss mit einer weiteren Spritze den Eisprung auslösen. 36 Stunden nach der Spritze findet der Eisprung statt und genau dann müssen die Eizellen entnommen werden. Der Eingriff wird, zumindest in der Frauenklinik in Heidelberg, während eines Dämmerschlafs gemacht. Man bekommt also gar nichts mit. Es konnten dabei nur 3 Eizellen gewonnen werden. Keine besonders gute Ausbeute, aber theoretisch würde eine genügen. 🙂 Während dieses Eingriffs darf der hoffentlich werdende Vater zur  Samenspende gehen. Ich war zwar nicht dabei, aber ich habe mir sagen lassen, dass es spaßigere Situationen gibt. 😉

Zwei Eizellen konnten befruchtet werden. Jippieh. Allerdings war am zweiten Tag leider nur noch ein Embryo übrig, der mir dann sofort eingesetzt wurde. Jetzt musste sich der kleine 4-Zeller nur noch einnisten und weiterentwickeln. NUR!

Erst durch diese Erfahrung wurde mir bewusst, was für ein Wunder es ist, überhaupt schwanger zu werden. Und die Erkenntnis, dass das Wunder, ein gesundes Kind zur Welt zu bringen, mindestens nochmal genauso groß ist, kam später erst hinzu. Schwanger zu werden hängt von so vielen Faktoren ab, dass es mir eigentlich fast unmöglich erscheint.

Zwei Wochen Bangen standen uns nun bevor. Zwei lange Wochen! Zwei Wochen später, an einem Montag, war direkt ein Schwangerschaftstest in der Klinik angesetzt. Allerdings war es möglich, schon am Samstag durch einen gewöhnlichen Schwangerschaftstest ein Ergebnis zu bekommen. Ich war gerade in Hamburg und hatte dort ein Shooting für die Bild der Frau. Am Morgen vor dem Shooting machte ich den Test. Negativ! Und fast zeitgleich setzte meine Blutung ein. Das Shooting musste ich trotzdem lachend durchziehen und den Termin am Montag sagte ich ab.

Die Rechnung von der Klinik wurde uns schnell zugestellt. Inkl. der Medikamente hatte uns dieser Versuch 2800EUR gekostet. So viel Geld für nichts. 😦 So viel Geld für dutzende Einstiche in meinem Bauch, für einen operativen Eingriff, der sich nicht gelohnt hat. Für 2 geblockte Wochen, in denen ich nicht arbeiten und kein Geld verdienen konnte. Das ist wie unbezahlter Urlaub bei Angestellten. Und ein geplatzter Traum.

Nun stellte sich mal wieder die Frage, wie es weitergehen sollte. Ich machte einen neuen Termin bei Prof. Strowitzki aus….

Fortsetzung folgt!

Wenn ihr weitere Fragen zur IVF oder Sonstigem habt, schreibt mich gerne an. 🙂 Ich beantworte euch gerne alle Fragen. 🙂


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