Unser Weg zum Wunschkind // #2 Darmgeschichten

7 Tage durfte ich im Krankenhaus bleiben. Ja, ich sage bewusst, „durfte“. Ich genoss die Ruhe. Mich konnte niemand um irgendwelche Erledigungen oder um Hilfe bitten. Und genauso sollte es auch zu Hause sein. Das wollte ich und das brauchte ich. Ich meldete mich „krank“. Als Selbständiger gar nicht so einfach, aber ich wusste, dass ich 6 Wochen ausfallen würde und stellte mich und alle anderen von vornherein darauf ein. Aus den 6 Wochen wurden zwar nur 4, aber ich versuchte mich etwas zu entspannen. Ich schaute Serien, faulenzte und an viel mehr kann ich mich gar nicht mehr so richtig erinnern. 😉

Die ersten Tage zu Hause waren allerdings furchtbar. Ich hatte so starke Schmerzen, dass ich gekrümmt auf dem Boden lag und weinte. Ich wollte am Liebsten wieder zurück ins Krankenhaus. Aber es wurde besser. Von Tag zu Tag ging es mir besser. 🙂

Aber was war nun mit meinem Darm?? Eine Entscheidung der Ärzte, die ich bis heute nicht nachvollziehen kann. Bei der OP sah man, dass direkt am Darm Verwachsungen waren. Aber man entfernte sie nicht. Warum? Ich weiß es nicht und bekam auch nie eine Antwort darauf. Eher den Tip, erstmal noch eine Darmspieglung zu machen. Aber hatte ich das nicht vor der OP schon gemacht und man konnte nichts finden? Naja, ich fand mich damit ab, die Blutungen beim Stuhlgang waren erstmal weg und vielleicht regelte sich jetzt alles von alleine. 🙂 Immer positiv bleiben. 😉

Endometriose bleibt. Endometriose ist chronisch und kommt im dümmsten Fall immer wieder. Bei meinen Recherchen im Internet las ich von Frauen, die 10 Mal operiert wurden. Das wollte ich nicht. Definitiv nicht! Das konnte ich mir überhaupt nicht leisten. In diesem Fall verfluchte ich, dass ich selbständig war. Ich würde ja nie wieder arbeiten können, wenn ich mich ständig unters Messer legen müsste. 😦
Um dem Vorzubeugen bekam ich eine sehr starke Pille verschrieben. Diese Pille nimmt man ohne Pause durch. Ohne Pause gibt es keine Regelblutung und ohne Blutung kommt es auch nicht zu neuen Verwachsungen. Hört sich doch gut an, obwohl diese Hormone sicher nicht gut sein konnten. Hatte ich in der Vergangenheit doch noch nie gute Erfahrungen mit Hormonen gemacht. 😦

Wir buchten Urlaub. Im Februar 2014 wollten wir für drei Wochen in die USA gehen. Zusammen mit meiner Schwester und ihrem damaligen Freund. Eine Rundreise an der Westküste sollte es sein. Der letzte große Urlaub, bevor wir Eltern werden, so immer noch mein Gedanke. 🙂
Im Laufe der Monate merkte ich die Hormone. Von Monat zu Monat stärker. Ich bekam Depressionen und entschied für mich selbst, die Pille wieder abzusetzen. Ich glaubte einfach daran, dass die Endometriose nicht mehr zurück kommen würde und ich wollte doch im Urlaub keine Depressionen haben. Aber ich wurde hart bestraft und das genau während unserer Reise. Mein Darm spielte wieder verrückt. Manchmal konnte ich nicht schnell genug eine Toilette finden. Ein Erlebnis in den Universal Studios in Hollywood: Ich musste den Notausgang in der Warteschlange nehmen und ganz schnell rennen… 😉

Und dann kamen die Schmerzen. So stark wie nie zuvor. Von heute auf morgen. Wir waren kurz davor ein Krankenhaus zu suchen, aber ich pumpte mich mit Schmerztabletten voll und es wurde auch wieder besser. Ich konnte es nicht glauben. Wieso kam es so schnell zurück?? 😦

Als wir wieder zu Hause waren, vereinbarte ich sofort einen Termin in Tübingen in der Frauenklinik und man wollte mich sofort wieder operieren. Lief es genauso auch bei den Frauen ab, die 10 Mal operiert wurden? Kommt es einfach wieder und man hat keine Chance, einer weiteren OP zu entkommen? 

Bevor es allerdings zur OP kam, folgte zuerst noch ein kleiner Darmspiegelungs-Marathon. Das Blut war wieder da und man musste jetzt zuerst herausfinden, wodurch es verursacht wurde. Meine Schmerzen wurden immer schlimmer, ich hatte genau 3 schmerzfreie Tage im Monat. Das waren die drei Tage, bevor die Regelblutung begann. An den schmerzlosen Tagen fingen dafür die Darmblutungen an. Wenigstens kamen diese ohne Schmerzen. 

Eine Darmspiegelung wäre nur halb so wild, wenn man vorher nicht immer abführen müsste. Habt ihr das schonmal gemacht? Kennt ihr das Zeug, das man dafür trinken muss? Widerlich! 😉 Mich ekelte schon der Gedanken daran. Anstatt, dass es leichter wurde, es zu trinken, widerstand mir schon der erste Schluck.

Da die letzte Darmspiegelung nichts ergeben hatte, wurde direkt ein CTG angesetzt. Jippieh. Ich wollte schon immer mal wissen, wie es ist, wenn einem der Darm aufgeblasen wird. Und wenn der behandelnde Arzt im gleichen Alter und auch noch gutaussehend ist, ist es noch viel angenehmer. *haha* Wieder kein Ergebnis. Die Ärzte ratlos, aber es gab da noch was Neues. Eine Kamera in einer Kapsel, die man schlucken muss. Eine Kapselendoskopie! Diese Kapsel durchläuft den Darm und filmt ihn von innen. Was es nicht alles gibt. 😉 Die Untersuchung konnte natürlich nur in Tübingen gemacht werden und ich musste dafür dreimal dort hin fahren. 😦 Jedes mal 200km hin und wieder zurück. Zuerst musste ich eine Testkapsel schlucken. Sollte es im Darm ein Problem geben und es die Kapsel nicht zum Ausgang schaffen, würde sie sich wieder auflösen. Kommt sie wieder ans Tageslicht, stünde der Kamera-Kapsel nichts mehr im Wege.

kapsel

Also gut, Kapsel geschluckt, Kapsel weg. Wo war sie? Sie kam auf jeden Fall nicht wieder raus… 😦

Bei meinem zweiten Termin in Tübingen wurde die Kapsel gesucht. Anhand einer Röntgenaufnahme meines Unterleibs, fand man sie. Genau das Richtige bei einer Frau im gebärfähigen Alter. 😦 Sie steckte fest und irgendwie löste sie sich auch nicht auf. Und so stand Termin Nr. 3 an. Noch einmal eine richtige Darmspiegelung, auch in Tübingen. Die Kapsel wollte man auf diesem Wege auch gleich mit raus holen.

Da man bei einer Darmspiegelung in einen Dämmerschlaf versetzt wird, durfte ich danach kein Auto mehr fahren und nahm mir deswegen als Unterstützung und Fahrerin meine liebe Freundin Janina mit. 
Eigentlich war der Tag ganz lustig, nur das Ergebnis nicht. Aber endlich gab es ein Ergebnis. 😛

Mein Darm war verengt, das stand nun fest. Aber dass er nur noch 10% durchgängig war, hätte niemand vermutet. Nur anhand eines Kinderendoskops konnte man sich ein Bild von meinem Darm machen. Und da war sie, die Endometriose. Vom Enddarm bis zum Dickdarm. Länge nicht ganz klar. Aber klar war nun, warum es blutet. Die Endometrioseherde verhalten sich wie die Gebärmutterschleimhaut. Wenn es zur monatlichen Blutung kommt, bluten die Herde mit, auch diese, die sich im Darm breit gemacht hatten. Der Arzt bereitete mich vorsichtig darauf vor, dass ich bei der nächsten OP wahrscheinlich einen künstlichen Darmausgang bekommen würde. Da man mich am Enddarm operieren müsste, ginge da kein Weg dran vorbei. Der künstliche Ausgang sollte nur vorübergehen sein, aber die Vorstellung lies mich schon ein wenig erschaudern. Diesmal hatte ich doch etwas Angst vor der OP. Und was war mit meinem zweiten Eierstock?? Was ist, wenn dieser nun auch nicht mehr zu retten war!? Wenn sich die Endo mittlerweile auch durch ihn durchgefressen hatte? :-/

Meine zweite OP stand im Juni 2014 an. An meinem Geburtstag sollte ich noch im Krankenhaus sein. Aber das störte mich nicht.

Die OP dauerte 7 Stunden. Als ich auf der Intensiv-Station aufwachte, war meine erste Handlung ein Griff an meinen Bauch, ich wollte fühlen, ob ich einen künstlichen Ausgang bekommen hatte. Aber ich war zu dick verbunden, ich konnte es nicht ertasten. Und ich wollte wissen, ob mein Eierstock noch da war.

Als endlich eine Schwester zu mir kam, gab es Entwarnung. Kein künstlicher Ausgang und der Eierstock war auch noch da. Puh, jetzt konnte ich mich wieder entspannen. 😛 Dafür hatte ich jetzt 5 Löcher und einen Schnitt am Bauch. Nochmal zwei Löcher mehr, als nach der ersten OP. 😦

bauchop

5 Tage musste ich auf der IntensivStation liegen und war mit Schläuchen ans Bett gefesselt. Ich konnte nichts tun, wäre aber auch gar nicht in der Lage gewesen. Ich schlief so viel es ging und wenn ich wach war, lauschte ich den Jubelrufen von draußen. Es war gerade Fußball EM und es war Sommer. Es war so schön warm, dass ich den ganzen Tag das Fenster offen stehen lassen konnte. Ich hatte das einzige Einzelzimmer auf der Station bekommen. Es war klein, aber ich hatte meine Ruhe. Wahrscheinlich war ich die einzige, die nicht sterbenskrank war und wurde deswegen von den anderen Patienten weg gelegt. Ich war ziemlich k.o., ich wollte nicht einmal Besuch, das einzige was ich wollte, war Nudelsuppe. Und die bekam ich jeden Tag zweimal. 😀 Wie Schneewittchen sah ich aus, erzählt mir meine Schwiegermutter in Spe heute noch. 😉 Naja,…

steffiop

Bei der OP wurden 15cm Darm entfernt. Gott sei Dank konnten die ersten zwei Drittel des Enddarms erhalten bleiben und brauchte deswegen keinen künstlichen Darmausgang. Im Brauchraum und auch am Zwerchfell hatte sich wieder viel neue Endometriose angesammelt, die auch wieder entfernt wurde.

darm

Nach 5 Tagen, an meinem Geburtstag, wurde ich auf die normale Station verlegt. Die komplette Visite war anwesend und gratulierte mir zum Geburtstag. Das war auch mal was anderes. 😀

Endlich in einem normalen Zimmer, endlich ohne Schläuche und endlich duschen. 5 Tage konnte ich nicht duschen, ich konnte mich nicht mehr riechen. 😉 Ich musste noch weitere 5 Tage im Krankenhaus bleiben und wollte auch freiwillig nicht so schnell nach Hause, weil ich wusste, wie schlecht es mir beim letzten Mal ging. Aber ich bekam an meinem Geburtstag Besuch von ein paar lieben Menschen, die sogar darmfreundlichen Kuchen und Geschenke mitbrachten. 😉 Und ich sah auch schon sichtlich erholter aus. 😉

Ich musste noch wochenlang Abführmittel nehmen, damit mein Darm nicht belastet wird. Die zwei Enden wurden bei der OP zusammen getackert und mussten erst wieder richtig zusammen wachsen, bevor er wieder voll belastbar war. Wie auch beim letzten Mal, meldete ich mich einige Wochen krank. Es war ein schöner Sommer. Ich genoss die Zeit bei uns im Hof und erholte mich richtig gut. 🙂

em2014

Aber wie sollte es jetzt weiter gehen?? Würde die Endo wieder so schnell zurück kommen?? Wir bekamen den Ratschlag, dass wenn wir einen Kinderwunsch hätten, wir direkt loslegen sollten. Wenn wir nach einem halben Jahr nicht erfolgreich wären, sollten wir uns an eine Kinderwunschklinik wenden. Große Hoffnung auf Erfolg machten uns die Ärzte allerdings nicht. 😦

Fortsetzung folgt!

 

Hier gehts zu Teil #1 Die Diagnose


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