Unser Weg zum Wunschkind // #1 Die Diagnose

Meine Freundin Janina hat mich letztens gefragt, ob ich nicht ein Buch über meine Geschichte schreiben möchte. Für ein Buch gibt es sicherlich spektakuläreren Stoff, aber ich überlege schon lange hin und her, ob ich über so etwas persönliches hier auf meinem Blog berichten und der Öffentlichkeit anvertrauen möchte. Mein Blog ist nicht weltbekannt, aber seit meiner Schwangerschaft kommen stetig neue Leser hinzu und mit jedem Beitrag lernt ihr mich besser kennen.
So ein Seelenstriptease ist für mich ein bisschen wie eine Therapie. Und zugleich ein Tagebuch. Wie oft stöbere ich in älteren Beiträgen, um mich wieder genau daran zu erinnern. Und euer positives Feedback, vorallem auf kritische Beiträge hat mich jetzt zu dem Entschluss gebracht, euch meine Geschichte und meine Erfahrungen zum Thema Kinderwunsch und Schwangerschaft von vorne an zu erzählen. Und vielleicht befindet sich die ein oder andere in einer ähnlichen Situation und kann durch meine Erfahrungen ein wenig Mut schöpfen. 🙂

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Ich wollte schon immer Kinder haben, im Besten Fall zwei. Einen Jungen und ein Mädchen. Klassiker. Schwanger zu werden ist ja das normalste auf der Welt und deswegen hatte ich nie den Gedanken, dass dieses Vorhaben beinahe zum Scheitern verurteilt war. Als ich mit meinem Freund zusammen kam, setzte ich relativ schnell die Pille ab. Wir wollten es nicht drauf anlegen, aber wenns passiert wäre, wärs ok gewesen. 🙂

Seit ich Denken kann, leide ich an den verschiedensten Wehwehchen und verbrachte einen Großteil meiner Freizeit bei einer Vielzahl von Ärzten. Meine Arztbesuche begannen mit ca. 17 Jahren. An meinem ganzen Körper zwickte und zwackte es und das wollte ich nicht akzeptieren und suchte immer weiter nach Antworten. Mein Hausarzt diagnostizierte Reizdarmsyndrom und schickte mich zur Psychotherapie. Der Orthopäde behandelte meine Knie und meinen Rücken mit Reizstrom, Jahre später mit Akkupunktur. Der Neurologe empfahl mir gegen meine Kopfschmerzen mehr Wasser zu trinken. Auch ein Heilpraktiker, ein Chiropraktiker und eine Kinesiologin konnten mein Problem nicht erkennen und behandelten mich auf gut Glück gegen hohe Rechnungen. Meine Frauenärztin versuchte ihr Glück mit 10 verschiedenen Pillenpreparaten, einem Hormonimplantat und dem Nuvaring, doch nichts davon hat bewirkt, dass es mir besser ging. Ganz im Gegenteil. Die ständigen Hormonumstellungen machten mir immer schwer zu schaffen.

Ich hatte in meinen 20ern bessere Monate und schlechtere. Ich nahm ziemlich viele Schmerztabletten zu mir und riss mich zusammen, wenn ich z.B. ein Shooting hatte. Ansonsten war ich viel müde und schleppte mich von Zyklus zu Zyklus. Mitte/Ende 20 lies ich mir Blut abnehmen, um meine Schilddrüse zu kontrollieren. Google brachte mich auf die Idee, es könnte eine Schilddrüsenunterfunktion sein und ich sollte Recht behalten. Nachdem ich einige Wochen die entsprechenden Tabletten genommen hatte, wurde ich etwas vitaler und wacher. Immerhin mal ein Schritt in die richtige Richtung. 🙂
Meine anderen Wehwehchen wurden immer spezifischer und konzentrierten sich auf extreme Regelbeschwerden, Rücken- und Nackenschmerzen, Durchfall nach fast jedem Essen und am Ende sogar Blut im Stuhl.

Als ich mal wieder extreme Probleme mit dem Rücken und dem Nacken hatte, versuchte ich mein Glück bei einer Osteopathin. Sie schaute ganz genau hin und beschäftigte sich während der Behandlung auch mit meinem Bauch. Schnell bemerkte sie, dass in meinem Bauch etwas nicht stimmte. Sie empfahl mir eine Darmspiegelung und evtl. sogar eine Bauchspieglung. Ich hörte auf ihren Rat und befragte direkt Google, um weitere Antworten und Informationen zu finden.

Mit 29 Jahren diagnostizierte ich selbst meine Krankheit. Endometriose. Schon meine Mama hatte diese Krankheit und musste schon mit 42 Jahren die Gebärmutter entfernen lassen. Deswegen stand diese Krankheit auch von Anfang an im Raum. Da sie jedoch vom Frauenarzt schon früh komplett abgeschmettert wurde, nahm ich die Krankheit die ganzen Jahre nicht mehr richtig ernst und suchte nach anderen Gründen für meinen körperlichen Zustand.

Aber jetzt war ich mir sicher. Ich vereinbarte mal wieder einen Termin bei der Frauenärztin und konfrontierte sie mit meiner Diagnose. Sie war verdutzt, aber untersuchte mich gründlich und war immerhin der Meinung, dass es tatsächlich Endometriose sein könnte, man es aber nicht eindeutig über den Ultraschall erkennen könne. Das wusste ich natürlich, ich bin gut im Recherchieren und hatte mich sogar schon nach einer passenden Klinik erkundigt. Für mich stand der Entschluss schon fest, dass ich operiert werden möchte. Ich wollte unbedingt, dass man mir mit einer Bauchspiegelung (Laparoskopie) in den Bauch schaut, um endlich heraus zu finden, was mir das Leben so erschwert.
Zuerst sollte ich allerdings noch die Darmspiegelung machen. Erfolglos. Der Arzt konnte nichts auffälliges erkennen.

Endometriose in einfachen Worten: Die Gebärmutterschleimhaut wächst außerhalb der Gebärmutter und siedelt sich im Bauchraum und an den Organen an. Die Verwachsungen wuchern tumorartig durch den Bauch und fressen sich quasi durch die Organe durch. Etwa 10% aller Frauen leiden an dieser Krankheit. Die meisten von ihnen nur an einer leichten Form und auch schmerzlos. Meistens wird die Krankheit erst dann festgestellt, wenn ungewollte Kinderlosigkeit vorliegt. Endometriose bringt Sterilität mit sich. 

Also vereinbarte ich im 200km entfernten Tübingen einen Termin in der Endometriose-Sprechstunde der Frauenklinik. So eine weite Strecke, nur für ein Gespräch! Aber es sollte sich lohnen. Ich wurde ernst genommen. Nach Meinung der Spezialisten sollte ich sofort operiert werden und machte schon ein paar Wochen später einen Termin aus. Ich freute mich. Verrückt oder? Aber ich hatte die Hoffnung, dass mir endlich jemand helfen wird.

Ich wurde in diesem Jahr 30 Jahre alt und plante eine große Feier. Gleichzeitig wollten wir mit der Party auch unser Haus einweihen. Da das schon lange geplant war, musste der OP-Termin noch ein bisschen warten. Auf die paar Wochen kam es dann auch nicht mehr an. 😉

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Im Juli 2013, war es dann so weit. Meine Mama begleitete mich und übernachtete mit mir die Nacht zuvor in einem Hotel, weil ich früh morgens schon in der Klinik sein musste. Das Schlimmste an der Ganzen Sache?? Wenn man im Hotel abführen muss. Nicht schön, sag ich euch. 😉 Noch weniger schön, als es zu Hause zu machen. :p Aber wenn man am Bauch operiert wird, ist das notwendig.
Am nächsten Morgen bezog ich mein Zimmer und wartete. Ich freue mich bei OPs immer auf die Scheiß-egal-Tablette und auf den Moment kurz vor der Narkose. Kurz bevor man einschläft. Ich mag das Gefühl, wenn man vor sich hin dämmert und die Narkose Ärzte einem erzählen, dass man sich danach nicht mehr an die Gespräche mit Ihnen erinnern könnte. 😉 Ist noch jemand so verrückt?? 😀

Die OP ging 4 Stunden!!! Es war kein kurzer Eingriff, um mal zu schauen, was da in meinem Bauch los war. Nein, es war etwas komplizierter. Mein kompletter Bauchraum war schwarz. Voller schwarzer Endometriose-Herde. Es wurde gelasert, geschnitten und verödet und ich durfte mich von meinem Blinddarm verabschieden. Nicht schlimm! Und von meinem linken Eierstock. Schlimm! 😦 Quasi war von den beiden nichts mehr da. Es waren nur verwachsene Klumpen, die u.a. auch für meine Schmerzen verantwortlich waren. Man fand sogar den Übeltäter für meine Nackenschmerzen. Es ist schwer zu glauben, aber es waren Verwachsungen an meinem Zwerchfell. Alles wurde entfernt, in meinem Bauch wurde richtig aufgeräumt.
Nach der OP sagten mir die Ärzte, dass die Endometriose so stark war, dass es verwunderlich ist, dass ich noch laufen konnte…. Dreimal kurz gelacht!

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Wow, ich freute mich darüber, eine Krankheit namens Endometriose zu haben. Nicht weil sie so toll ist, sondern weil ich endlich wusste, dass meine Schmerzen nicht durch eine gestörte Psyche hervorgerufen wurden. Das machte mir Mut, weil jetzt war ja alles raus und ich konnte endlich schmerzfrei leben. Ich freute mich richtig auf die Zukunft. Ich war super motiviert.

Aber was war mit meinem Darm?? War das Problem mit dem Blut im Stuhl auch gelöst? Und konnte ich mit nur einem Eierstock noch schwanger werden? Konnte ich überhaupt schwanger werden?

Fortsetzung folgt!

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5 Gedanken zu “Unser Weg zum Wunschkind // #1 Die Diagnose

  1. Ich sage und schreibe es dir immer wieder ich weiß ,aber ich bewundere dich , du bist so stark und kämpfst für deine Ziele und Träume . Das ist wunderbar . Wir kennen uns seit Jahren und egal was ich lese beeindruckt mich immer wieder .

    Du machst das super .

    Gefällt 1 Person

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